Konflikte in virtuellen Teams lösen – wie geht das?

Konflikte virtuelles Team
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Konflikte in Teams gehören zum Berufsalltag. Aber gibt es einen Unterschied, wenn sich die Teammitglieder im Homeoffice befinden und ein virtuelles Team bilden?

 

Diese Frage stellten wir kürzlich in einem unserer Workshops zum „Führen auf Distanz“ den teilnehmenden Führungskräften. Die einen fanden, dass es in virtuellen Teams mehr und andere Konflikte gibt. Die anderen sahen eher weniger Konflikte, und wenn dann mit den gleichen Themen wie bisher auch.
Und die meisten hatten ein unbehagliches Gefühl: Wie erkenne ich diese Konflikte auf Distanz? Wann soll ich einschreiten? Wie gehe ich bei der Konfliktlösung vor, wenn die Leute mobil arbeiten?

 

Wir haben deshalb fünf Tipps aus der Praxis zusammengestellt, wie man Konflikte in virtuellen Teams lösen kann.

 

1. Reibungen in starken Teams sind ganz normal

 

Starke Teams haben viel gemeinsam: Ziele, Werte, Prozesse, Spielregeln, Tools. Und gleichzeitig sind Teams nur wirklich dann stark, wenn dort unterschiedliche Charaktere, Erfahrungen und Herangehensweisen zusammenkommen.
Diese Diversität ist Voraussetzung für das Schaffen von ausgewogenen Lösungen. Diese Diversität führt aber natürlich auch zu Reibungen und Konflikten.

 

Wenn ein Team es schafft, gegensätzliche Meinungen auszutauschen und intensiv zu diskutieren, steigt erfahrungsgemäß die Qualität des Outputs. Da können auch mal die Funken fliegen. Solange man am Ende zu gemeinsamen Ergebnissen kommt, ist das ja genau der Vorteil von Teamarbeit!

 

2. Konflikte nicht verhärten lassen

Gute Führung bedeutet, die hitzigen Diskussionen im Team gut und strukturiert zu moderieren. Also: jeden zu Wort kommen lassen, die verschiedenen Meinungen sammeln, Argumente austauschen und am Ende systematisch zu einer Entscheidung zu kommen.
Das geht in virtuellen Teams genauso wie in Präsenz-Teams – vor allem, wenn man im Videocall die wesentlichen Punkte gleich für alle sichtbar mitschreibt oder auf einem Whiteboard festhält.
Gefährlich wird es nur, wenn eine Führungskraft die Differenzen im Team nicht schnell ans Tageslicht bringt und gemeinsam mit dem Team klärt. Dann können sich diese Differenzen zu tiefsitzenden Konflikten verhärten, die sich mit der Zeit immer schwerer lösen lassen.

 

Bei der Teamarbeit auf Distanz ist es deshalb entscheidend, feine Antennen für die Team-Stimmung zu entwickeln und Friktionen zwischen den Leuten schnell aufzuspüren. Und dann so schnell wie möglich anzusprechen. Sich diese Zeit frühzeitig zu nehmen beugt vielen späteren Problemen vor!

 

3. Die bewährten Grundprinzipien für Konfliktlösung anwenden

Einem akuten Konflikt im virtuellen Team begegnet man effektiv mit den bewährten Strategien, wie zum Beispiel:

 

    • Klären, ob der Konflikt auf der Sach- oder Beziehungsebene liegt oder auf beiden
    • Alle Seiten „allparteilich“ anhören (aktives Zuhören und Verstehen)
    • Hinterfragen, ob man als Führungskraft selbst Teil des Konfliktes ist
    • Klarstellen, was die Geschäftserfordernis ist
    • Die Lösungsfindung moderieren, anstatt alles selbst zu lösen
    • Die Chance im Konflikt sehen und idealerweise eine „3. Alternative“ finden

 

4. Der Unterschied bei Konflikten in virtuellen Teams

Die meisten unserer Workshop-Teilnehmer*innen nehmen an, dass es darüber hinaus einen besonderen Trick oder Tipp dafür gibt, wie man Konflikte in virtuellen Teams auf Distanz handhabt.
Wir sammeln dann mit ihnen, wie sie bisher vorgehen, wenn sie Konflikte in Präsenz-Teams lösen. Diese Ansätze analysieren wir gemeinsam, um zu sehen, was davon online NICHT funktioniert. Da kommt dann schnell die Erkenntnis: „Hmm, das geht ja alles online eigentlich genauso wie vorher in Präsenz – nur dass die Gespräche im Online Meetingraum stattfinden.”

 

Der Unterschied beim Führen virtueller Teams liegt vor allem beim Mindset der Führungskräfte! Sie denken, dass sie auf Distanz anders vorgehen sollten – und suchen dann nach der magischen Formel oder einem ANDEREN Ansatz als bisher. Diese Haltung blockiert sie natürlich. Dabei besitzen die meisten von ihnen schon längst die passende Kompetenz, um diese Herausforderung auch bei der virtuellen Zusammenarbeit zu bewältigen!

 

5. Voraussetzung: Face-to-Face Gespräche

Eines ist natürlich anders beim Führen auf Distanz: man befindet sich physisch nicht im gleichen Raum mit den Teammitgliedern und kann sie nicht riechen oder anfassen oder jede Facette ihrer Körperhaltung beobachten.
Aber den Großteil der wesentlichen Signale bekommt man auch mit, wenn man Gesicht und Oberkörper der Personen sehen kann. Und das geht in Videocalls über Webcam ja hervorragend. Voraussetzung ist allerdings – wie bei jeglicher virtueller Kommunikation: Die Webcam muss an sein, und jeder muss gut ausgeleuchtet von Nahem auf Augenhöhe zu sehen sein. Doch das sollte inzwischen für virtuell führende Manager*innen und Teamleiter*innen zur Selbstverständlichkeit geworden sein!

 

 

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