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Hybride Teams führen - So halten Sie das Team zusammen!

Alexandra Altmann 
 

Ein spannendes neues Führungskapitel nimmt Form an: Das Führen von hybriden Teams, deren Mitglieder zum Teil im Büro und zum Teil im Homeoffice oder Remote arbeiten.

Hier sind unsere Tipps dazu, wie man dabei die Gefahr einer „Zweiklassengesellschaft“ vermeiden kann.

Denn nachdem sich viele Führungskräfte bereits gute Praktiken für das Führen auf Distanz angeeignet haben, stehen sie nun vor der Herausforderung, den Spagat zwischen der Führung von Teammitgliedern in Präsenz und im Homeoffice zu meistern. 

Die Gefahr: Lager-Bildung in hybriden Teams!

Wenn Teams in unterschiedlichen Konstellationen zusammenarbeiten, können schnell Fronten oder Lagern entstehen.

Und genau das gibt es oft bei der hybriden Zusammenarbeit, wenn zum Beispiel die einen 4-5 Tage zu festgelegten Arbeitszeiten in der Firma verbringen und die anderen an 3-4 Tagen im Homeoffice arbeiten, und das auch noch an flexiblen Tagen und zu flexiblen Uhrzeiten.

„Die zu Hause können sich ausruhen, während wir hier in der Firma ranklotzen müssen.“
„Die in der Firma haben’s gut, dort können sie in Ruhe arbeiten und müssen sich nicht auch noch um die Familie kümmern.“

„Die zu Hause werden nicht ständig kontrolliert, bei uns in der Firma ist ja quasi jeder Schritt und jede Pause unter Beobachtung.“
„Die in der Firma sind immer gut informiert und werden vom Chef bei den spannenden Projekten bevorzugt; was wir hier zu Hause leisten, kriegt keiner so richtig mit.“

„Die zu Hause sind tagsüber oft nicht erreichbar, das stört die Kommunikation.“
„Die in der Firma verstehen sich besser und besprechen alles nur unter sich, ohne uns zuhause einzubinden.“

Diese Art von Eindrücken und Vorurteilen können sich schnell verfestigen und zu einer wahrgenommenen „Zweiklassengesellschaft“ führen. Und wenn die Regelungen zur hybriden Zusammenarbeit dann auch einfach nur vom Management vorgegeben wurden, kann sich das schnell in Spannungen, unschönen Konflikten und gestörter Produktivität ausweiten.

Hybride Zusammenarbeit: Die besonderen Herausforderungen für Führungskräfte

Die Mehrzahl der Führungskräfte, mit denen wir sprechen, freut sich auf die Rückkehr ihrer Teams ins Büro. Endlich können sie wieder so wie gewohnt gemeinsam arbeiten und auf ihre jahrelang etablierten Steuerungs-Routinen zurückgreifen.

Sie haben zwar über die letzten Monate erlebt, dass die virtuelle Zusammenarbeit besser als erwartet funktioniert und sogar erstaunlich effizient und produktiv ist. Aber es fühlt sich für sie einfach besser an, ihre MitarbeiterInnen wieder um sich zu scharen, freundlich grüßend über den Flur zu gehen, locker mit denen zu kommunizieren, die man gerade trifft, und in der Kaffeeküche die eine oder andere Sache mal schnell informell zu regeln.

Doch so bequem das sein mag: Damit allein werden sie in hybriden Teams nicht erfolgreich sein!

Was gerade stattfindet, ist eine fundamentale Veränderung der Arbeitsorganisation und eine riesige sozialpsychologische Lernreise. Sämtliche Umfragen zeigen, dass die Menschen Flexibilität erwarten und den Befehl zur Rückkehr ins Büro ablehnen: Die meisten fordern das Recht auf 2-3 Tage mobiles Arbeiten; nur ein geringer Prozentsatz kann sich vorstellen, dauerhaft 5 Tage im Büro zu sein.

Diese Veränderung wird noch schwieriger werden als der plötzliche Wechsel aller ins Homeoffice zu Beginn der Pandemie. Denn dabei waren zumindest alle gleich. Doch nun gilt es, ganz unterschiedliche Bedürfnisse und Präferenzen auszubalancieren und unter einen Hut zu bringen.

Darüber hinaus wird auch vor Ort nicht alles sein wie vorher. Durch die Länge der Corona-Krise haben sich Beziehungen und Teamkonstellationen verändert. Es bedarf Motivation und Arbeit, den Teamspirit in der neuen Normalität aufleben zu lassen.

Der wichtigste Praxistipp für die Führung hybrider Teams

Wie geht das nun, die hybride Zusammenarbeit so zu gestalten, dass dabei die Gefahr einer Frontenbildung und einer Zweiklassengesellschaft vermieden wird?

Überall höre ich gerade: „Wir sind da gerade noch dran, das im Detail auszuarbeiten. Wir haben dafür ein zentrales Projekt und warten jetzt auf deren Ergebnisse.“

Wenn es so einfach wäre! Denn egal welches Rahmenwerk von oben vorgegeben wird: Es wird doch die Aufgabe jeder einzelnen Führungskraft bleiben, gemeinsam mit ihrem Team eine passende Lösung zu gestalten, die drei Aspekte ins Gleichgewicht bringt:

  • Die Vorgaben der Organisation
  • Die persönlichen Präferenzen aller Beteiligten (Teamleitung und Teammitglieder)
  • Die sachliche Geschäftserfordernis, die sich aus der Teamaufgabe ergibt

Und damit sind wir beim wichtigsten Praxistipp zum Führen hybrider Teams:

Das erfolgreiche Führen hybrider Teams beginnt beim Mindset der Führungskraft!

Fragen Sie sich nach Ihrer inneren Einstellung, nach Ihrer Haltung zum Thema:

  • Will ich alles einfach nur wieder so „wie früher“ machen – oder bin ich bereit, neue Skills und Tools für diese komplexe Führungssituation zu erlernen?
  • Bin ich bereit, meinen Leuten im Team aufmerksam zuzuhören, ihre Präferenzen zu sammeln, und dann gemeinsam mit ihnen an passenden Spielregeln für die Arbeitsorganisation und Kommunikation im Team zu feilen?
  • Bin ich aufgeschlossen dafür, von meiner persönlichen Präferenz etwas abzurücken, und die individuellen Bedürfnisse der anderen zu berücksichtigen, solange das Geschäft nicht darunter leidet?
  • Bin ich offen für einen Prozess des gemeinsamen Experimentierens und des agilen Vorgehens, solange bis wir Wege gefunden haben, die für uns wirklich funktionieren?
  • Bin ich bereit, neben meinen operativen Management-Aufgaben für diesen Diskussions-Prozess Zeit zusammen mit dem Team aufzuwenden und das als wesentlichen Bestandteil meiner Aufgaben als Führungskraft zu sehen?

Wenn Sie sich diese Fragen mit Ja beantworten können und den Teamentwicklungs-Prozess tatsächlich in Gang bringen, haben Sie den größten Schritt zum Erfolg getan!

Ein Team, das gemeinsam seine Spielregeln diskutiert, beschließt und fortlaufend verfeinert, versteht sich besser und baut viele tragfähige Brücken. Es verfällt sehr viel seltener in eine Lager-Bildung, in ein „Wir gegen die“ Denken, in das Gefühl von „Zweiklassengesellschaft“!

Was außerdem in der neuen Normalität hilft

Berücksichtigen Sie auch diese Tipps für das Führen von hybriden Teams, um Spannungen im Team vorzubeugen.

In ihre Teammitglieder hineinversetzen

Versuchen Sie selbst von wechselnden Arbeitsorten aus zu arbeiten, nicht immer nur aus dem Büro. Damit erleben Sie hautnah die verschiedenen Perspektiven und können die unterschiedlichen Bedürfnisse besser einordnen und sich besser in ihre Teammitglieder hineinversetzen.

Kommunikationstools aktiv nutzen

Sorgen Sie durch entsprechende Kommunikationstools dafür, dass alle immer auf dem Laufenden sind. Also: die wichtigen Informationen nicht nur mündlich in Besprechungen verteilen, sondern für alle jederzeit sichtbar, z.B. in einem MS TEAMS Kanal oder Team Notizbuch festhalten.
Die Aufgaben im Team und den aktuellen Status der Abarbeitung so aufschreiben und aktuell halten, dass alle jederzeit wissen, woran die anderen arbeiten. Diese Transparenz hilft, die „Ungerechtigkeits-Gefühle“ im Zaum zu halten.

Gleichbehandlung gewährleisten

Achten Sie explizit darauf, niemanden im Team zu bevorzugen und mit allen gleich häufig zu kommunizieren, unabhängig davon, ob die Leute im Büro sind oder nicht.

Mitarbeiter unterstützen

Nehmen Sie Spannungen und negative Gefühle im Team ernst und adressieren diese gemeinsam mit allen. Schenken Sie den Mitarbeitern im Homeoffice genau so viel Aufmerksamkeit und Vertrauen, wie denjenigen, die Sie täglich im Büro sehen.

Hybride Meetings vermeiden

Versuchen Sie hybride Meetings, bei denen manche Teammitglieder vor dem Laptop sitzen und andere zusammen im Besprechungsraum, weitestgehend zu vermeiden. Entweder alle im Büro oder alle vor ihrem eigenen Laptop. Mehr Anregungen zu hybriden Meetings finden Sie auch in unserem Praxistipp.

Fazit: Hybride Teams führen verlangt noch mal eine neue Führungskompetenz

Nun gilt es, sich der neuen Normalität mit hybriden Teams zu stellen! Seien Sie aufgeschlossen gegenüber neuen Möglichkeiten, die Arbeit zu organisieren. Nehmen Sie sich die Zeit, gemeinsam mit allen Teammitgliedern passende neue Prozesse und Spielregeln auszuprobieren. Und machen Sie weiter damit, die Kommunikationstools besser kennenzulernen und auszureizen!

Mehr Praxistipps zum Mindset, Skillset und Toolset für erfolgreiches Führen in unseren neuen Trainings zu „Hybride Teams führen“.

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