3 Tipps für mehr Vertrauen in Ihren virtuellen Teams

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Eines der schwierigsten Themen beim Führen auf Distanz ist der Aufbau von Vertrauen – das hören wir von den Führungskräften in unseren Trainings immer wieder.

Wenn man nicht sieht, was die anderen den ganzen Tag über so machen, muss man sich darauf verlassen können, dass sie auch wirklich mit voller Kraft am gemeinsamen Ziel arbeiten. 

Woher weiß man das aber, wenn man nicht direkt beobachten kann, womit die Teammitglieder sich beschäftigen? Man fragt sich ja schon, ob sie parallel vielleicht auch übermäßig stark an anderen Aufgaben an ihrem Standort beteiligt sind. Oder im Home Office die Waschmaschine ausräumen, statt am Schreibtisch zu sitzen. Oder mehr als üblich im Internet surfen oder mit Freunden chatten.

Wie findet man da die richtige Balance zwischen naivem blindem Vertrauen und misstrauischem Mikromanagement? Wir haben dafür die drei wichtigsten Tipps zusammengefasst.

 

Zunächst einmal: Selbst wenn alle Ihre Teammitglieder zusammen an einem Standort sitzen, können Sie dort nicht die ganze Zeit kontrollieren, ob sie ihre Arbeitszeit wirklich produktiv nutzen. Sie müssen ihnen deshalb auch in diesem Fall erst einmal vertrauen. 

 

Schafft Kontrolle Vertrauen?

Viele Studien zu dem Thema zeigen: Je mehr Vertrauen man jemandem schenkt, desto mehr wird sich die Person auch anstrengen, dieses Vertrauen zu rechtfertigen. Und je mehr Kontrollmechanismen wie Arbeitszeitkontrolle oder Bildschirmzeitüberwachung man dagegen einführt, desto kreativer werden die Mitarbeiter versuchen, diese Kontrollen zu hintergehen oder zu manipulieren. 

 

Vertrauen schenken

Die wichtigste Grundregel sowohl für lokale als auch für virtuelle Teams ist daher: Bringen Sie Ihren Teammitgliedern von Anfang an Vertrauen entgegen – sie werden es Ihnen danken! Starten Sie in einer neuen Beziehung mit einem kleinen Stück Vertrauen und sehen Sie sich genau an, ob Ihr Gegenüber dieses Vertrauen auch rechtfertigt und Ihre Erwartungen erfüllt. Wenn ja, dann schenken Sie der Person schrittweise mehr und mehr Vertrauen, solange Sie dabei nicht enttäuscht werden.

Sollte sich jedoch herausstellen, dass Ihr Vertrauen missbraucht wurde, handeln Sie schnell und konsequent. Konfrontieren Sie die Person damit und vereinbaren Sie, durch welche Schritte die Person das Vertrauen wiederherstellen kann – und was die Folgen sind, wenn das nicht gelingt.

 

Die Besonderheit bei der Zusammenarbeit auf Distanz

Effektive Teamarbeit über verschiedene Standorte und manchmal sogar Organisationseinheiten hinweg erfordert ein noch höheres Maß an gegenseitigem Vertrauen als die klassische lokale Zusammenarbeit. Deshalb ist es für die Teamleiter hier noch wichtiger, systematisch am Aufbau von klugem Vertrauen im Team zu arbeiten. Hier sind drei konkrete Tipps dafür:

 

Tipp 1: Persönlich werden

Vertrauen zwischen Menschen wächst umso mehr, je besser sich die Menschen kennenlernen und sich als vertrauenswürdig einschätzen.

 

Schaffen Sie also viele Möglichkeiten dafür, dass Sie und Ihre Teammitglieder sich auch auf der persönlichen Ebene kennenlernen:

  • Nutzen Sie in Ihren regelmäßigen Online Meetings verstärkt die Webcams. „Face-to-Face“-Kommunikation ist auch in virtuellen Besprechungen möglich! 
  • Diskutieren Sie in Ihren Online Meetings nicht nur Fachthemen, sondern lassen Sie auch Raum für Small Talk und Geschichten, die mehr über den Menschen hinter dem Profilbild erzählen. Gehen Sie als Vorbild voran und teilen Sie immer wieder mal etwas Persönliches über sich mit, damit die anderen Sie besser kennenlernen können. Und geben Sie auch den anderen die Gelegenheit dazu, sich mitzuteilen.
  • Versuchen Sie, sich mindestens einmal im Jahr auch physisch zu treffen. Planen Sie auf der Agenda bei diesen Teammeetings nicht nur Business-Themen, sondern auch viel Zeit für das gegenseitige bessere Kennenlernen. Gemeinsame Unternehmungen wie Ausflüge und Partys bieten genau den richtigen Rahmen für einen Austausch auch auf der Beziehungsebene. 

 

Tipp 2: Die Leute an ihren Ergebnissen messen

Vertrauen entsteht durch Verlässlichkeit. Wenn jemand bestimmte Ergebnisse verspricht und diese dann auch abliefert – und das nicht nur einmal, sondern dauerhaft – festigt sich das Vertrauen in diese Person.

 

Schaffen Sie die geeigneten Möglichkeiten dafür, die Leute auch bei der virtuellen Kollaboration an ihren Ergebnissen zu messen:

  • Definieren Sie die gemeinsamen oder individuellen Ziele klar und halten Sie sie in einem Dashboard fest, das standortübergreifend jederzeit eingesehen werden kann.
  • Überprüfen Sie regelmäßig gemeinsam, wie gut diese Ziele erfüllt werden. Solange jemand die versprochenen Ergebnisse abliefert, kann es Ihnen egal sein, WIE jemand gearbeitet hat, um das zu erreichen (sofern das innerhalb der gemeinsamen Spielregeln erfolgt, siehe Tipp 3). Kontrollieren Sie die Ergebnisse, aber nicht den Weg, den jemand wählt, um zu dem Ergebnis zu kommen!

 

Tipp 3: Klare Spielregeln setzen und einfordern

Integrität spielt beim Vertrauen ebenfalls eine große Rolle. Es ist nicht nur wichtig, DASS man die Ergebnisse erreicht, sondern dass man dabei auch dem Verhaltens-Codex folgt, den sich das Team in der Zusammenarbeit setzt.

 

Schaffen Sie dafür den geeigneten Rahmen:

  • Nehmen Sie sich zu Beginn der virtuellen Teamarbeit die Zeit, auch explizit über das WIE der Zusammenarbeit zu sprechen. Gerade wenn verschiedene Kulturen in einem Team zusammenkommen, gibt es immer unterschiedliche implizite Annahmen dazu, was „gutes und richtiges Arbeiten“ ist. Sprechen Sie darüber und halten Sie gemeinsam fest, welche Verhaltens-Standards IN DIESEM TEAM gelten sollen.
  • Fordern Sie von jedem im Team ein, dass diese Spielregeln eingehalten werden. Reagieren Sie sofort, wenn jemand das nicht tut. Sie haben Pünktlichkeit bei Meetings vereinbart? Wenn dann jemand zu spät kommt, sehen Sie nicht einfach drüber hinweg und hoffen, dass die Person beim nächsten Mal schon pünktlich sein wird. Sprechen Sie es sofort an – vor allen – unter Hinweis auf die Spielregeln! So merken auch die anderen im Raum, dass der Team-Codex wichtig ist. Wenn Sie hier nicht handeln, verlieren Sie schnell all Ihre Glaubwürdigkeit – und unterminieren damit das Vertrauen im Team.

 

 

Diese und andere Tipps für Mindset, Skillset und Toolset zum Führen auf Distanz diskutieren wir ausführlich in unseren Trainings zum virtuellen Führen.

Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, kommen Sie gerne in unser nächstes Webinar: „Remote Leadership: So trainiert man das heute!“.